Herrschaft der Hybris

Interview mit Bernd Greiner

Was treibt Männer wie Trump, Johnson, Netanjahu u.a. an die Macht und was treibt die Wähler dazu ausgerechnet ihnen dazu den Zugang zur Macht zu ermöglichen?

Ist das Phenomen Trump ein weltweites Phenomen?

In der Tat haben wir es mit einem weltweitem Phenomen zu tun. Wenn man sich die oben genannten Personen anschaut, so fallen doch eine Reihe von strukturellen Gemeinsamkeiten auf. 

So unterschiedlich diese Personen im Einzelnen sind, und so unterschiedlich der politische Kontext ist in dem sie sich in ihren jeweilen Ländern bewegen, so gibt es doch einige Punkte, die sie gemeinsam haben und die wohl auch für ihren Erfolg verantwortlich sind. 

Sie bedienen allesamt in ihrer Rethorik, in ihrem Auftreten in dem was man ihr Programm nennt, ein Schutzbedürfnis. Sie wiederholen ständig ein Opfer-Narrativ, sie emonationalisieren das, und sie sprechen in Zeiten in Übergangszeiten, die sich durch hohe Unsicherheit und Verunsicherung auszeichnen, eine große Gruppe ihrer Wählerschaft an. Zum zweiten bedienen sie, wenn ich das recht sehe, ein Machtbedürfnis, sie sprechen Leute aus der Seele, die sich als ewige Verlierer sehen und deshalb eine Art Nachholbedürfnis im Gewinnen haben. Das führt uns Trump jeden Tag vor, das macht auch Boris Johnson, es geht ihnen nur um das Gewinnen egal wie, egal gegen wen und egal zu welchen Kosten. Das ist ein Spiel mit versteckten Machtbedürfnissen, mit Allmachtphantsien. Sie bewegen sich in einem ewigen politischen Karneval, salopp gesagt, ihr könnt jetzt solange ich an der Macht bin die Sau rauslassen. Es gibt keine Regeln mehr, ich halte mich an keine Regeln und ich erlaube Euch an keine Regeln zu halten. Das ist eine Versuchung, das ist für weite Kreise offenbar eine Einladung, das zu machen was sie bisher nicht machen konnten.

Jetzt dürfen sie es. Ein wichtiger Gesichtspunkt, wenn man sich einen Reim machen will, auf das was diese Leute antreibt und an die Macht gebracht hat. Und zum Dritten es ist auch eine strukturelle Gemeinsamkeit bedienen sie ein Kontrollbedürfnis mit der ständigen Sugestion einfache Lösungen für komplexe Probleme zu haben, sei Einwanderstopp, Strafzölle, Gesetzesverschärfung, auf alle Fragen dieser Welt gibt es eine einfache Antwort. Auch das ist sehr verfänglich. 

M: Es geht ihnen ums Gewinnen, haben sie gesagt, es geht um Allmachtsphantasien. Jetzt wurden ja schon öfter Politikern wie Donald Trump schon mehrfach eine narzistische Störung diagnostiziert, per Ferndiagnose. Stimmen sie dem zu. Geht es diesen Politikern um sich selbst, wenn sie an die Macht streben und nicht so sehr um das Volk?

Das mag sein, dass Trump unter einer Persönlichkeitsstörung leidet. Das ist sogar sehr wahrscheinlich. Aber das Problem auf eine Persönlichkeitsstörung zu verengen, hängt meines Erachtens von den genannten strukturellen Faktoren ab. Und diese Faktoren sind länder und kultur übergreifend. Das ist das eigentlich Problem. Weniger ob Trump nun ein Riesenbaby ist, das um sich schlägt, wenn ihm der Schnuller aus dem Mund fällt, das mag ja alles sein aber das keine weiterführenden politischen Erklärungen, das erklärt nicht, warum Trump in GB und anderenorts sein Widergänger hat. Da muss man schon in die politische Tiefenstruktur gehen und fragen warum ein Großteil der Bevölkerung für solche Figuren und ihre Angebote anfällig ist. Und das sind die bekannten Schutzbedürfnis, Machtbedürfnis, Kontrollbedürfnis. Auf dieser Klavitatur spielen sie, das beherrschen sie perfekt, das muss man ihnen lassen und können offenbar besser als andere disorientirte Stimmungen lesen und diese Disorientierung für ihre Zwecke ausbeuten. 

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Vollständiges Interview hier: https://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2019/10/06/herrschaft_der_hybris_interview_mit_bernd_greiner_dlf_20191006_0812_b0bdfb4a.mp3